Spät entdeckt im Programm des Sozialforums (ich konnte leider nicht hin): Eine der größeren Konferenzen hat das Thema:
Globale Friedenspolititk und ihre lokalen Konsequenzen
- just an diesem Freitag.
Spannend in meinen Augen: Es treten bei dem Podium u.a. auf Christoph Marischka einerseits und Ute Finckh/Björn Kunter andererseits.
Die letzten beiden stehen für den "Bund für sozale Verteidigung" - das sind diejenigen, deren Hoffnung auf Zusammenarbeit mit den Regierungen immer wieder zu Merkwürdigkeiten1 führt (Vorrang für Zivil, Europe vote for Peace).
Andererseits steht ihnen mit Christoph jemand gegenüber, der sich u.a. mit der IMI oder der Kritischen Online-AG "Neue Kriege" wie die ganze IMI um die Kritik solcher Illusionen schon manche Verdienste erworben hat, genau die Kontroverse die mich seit vielen Jahren beschäftigt. Jetzt hoffe ich, daß es Berichte o.ä. von der Debatte gibt und bin gespannt, was dort deutlich werden konnte ...
- 1. siehe auch innovatives Instrument




Für die angekündigte
Für die angekündigte Kontroverse war leider keine Zeit. Marischka sprach als erstes über die Konfliktkonstellation internationale Militärs vs. Zivilisten, beschrieb das v.a. anhand von Rüstungsprojekten. Dass für die neuen Kriege Gendarmerien und (sonstige) zivil-militärische Zusammenarbeit vorangetrieben würde erwähnte er, jedoch ohne Seitenhiebe auf den BSV. Der sowie die Vertreterin der AG Tschad hielten sich dann aber dermassen mit Kritik an der deutschen Außenpolitik zurück, dass sich Marischka doch nochmal zu Wort meldete a la "manche Dinge müsste man schon beim Namen nennen". Das war eigentlich keine besonders direkte Attacke, aber die anderen reagierten darauf sehr unglücklich, verteidigten ihre Zusammenarbeit mit der Regierung, redeten vom Geld, fanden Polizeiausbildung ne spitze Sache und nannten es zivile Konfliktbearbeitung, dass Gernot Erler nach Kenia geflogen ist um den beiden Möchtegern-Präsidenten zu "erklären, wie man Macht teilt". Das kam insgesamt nicht gut an.
Das eigentliche Problem lag aber woanders bzw. erstreckte sich übers ganze Sozialforum. Es waren ja nicht nur wenig Leute da, sondern z.B. auch wenig Infostände. Neben Ver.di und der RLS wurden da sehr freakige Sachen ausgelegt a la "Meditieren für den Weltfrieden" und "Geld fair anlegen, damit arbeitslose Kleinbauern nen Job am Fließband bekommen". Jedenfalls die Veranstaltungen zur Themenachse Krieg befassten sich fast nur mit "ziviler Konfliktbearbeitung". Insgesamt ist die Kritik auf dem Sozialforum sehr kurz gekommen und es ging sehr viel um "Luxus-Themen". Das passte auch zu den Räumlichkeiten: Ein schniekes Kongresszentrum wo's Essen und Trinken nur im Restaurant gab und eine schnieke "Freie Schule", da gabs Vokü, wo am ersten Abend ganze sechs Leute gegessen haben. Beides 40 Minuten Nieselregen voneinander entfernt. Viele sind Taxi gefahren und die Männer von der Gewerkschaft in ihrem Ver.di-Bus. Alle anderen konnten sehen, wo sie bleiben.
knapp und illustrativ ...
.. Danke für den Bericht. Es war natürlich abzusehen, daß ein solch volles Podium keine Zeit für "Einzelheiten" läßt ..
Es geht also weiter mit dem Thema. ...
Trotz der sichtbaren Probleme liegt mir viel am Sozialforum, und ich halte es im Prinzip für eine gute Plattform auch für dies Themen, aber das passiert ja lokal auch kaum.
Gleichzeitig - an die eigene Nase packend - sollte es mehr direkte Auseinandersetzung mit gutmeinenden Äußerungen geben, wie sie hier erhellenderweise anklingen " ... nannten es zivile Konfliktbearbeitung, dass Gernot Erler nach Kenia geflogen ..." - die gibts ja schriftlich auch, und das bietet noch manche Möglichkeiten..
Wird wohl noch dauern, macht viel Arbeit fürchte ich, und ist doch notwendig.
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