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Politik und Technik aus München - Pazifistisch
mit dem Fahrrad (Peace, cycling and more)

Pace, Paz, Frieden...

Donnerstag, 23.6.2005    

Am kommenden Samstag ist es so weit: Das EineWeltHaus hat sein Sommerfest unter das Friedensmotto gestellt - sehr schön, das Programm drumherum ist attraktiv!

Es gibt vorab eine Podiumsdiskussion von anderthalb Stunden, reichlich besetzt (Wecker "angefragt" dagegen ist nicht in München, sondern beim Pressefest in Dortmund), für jeden einzelnen Teilenehmer bleibt da nicht viel Redezeit ... Die Fragen dazu (siehe Link oder Flyer) klingen schon etwas rhetorisch in meinen Ohren:
* Erreicht unsere Protestkultur den Normalbürger? (dies wurde z.T. auch verstanden als "braucht die F. neue Formen?")
* Lassen wir uns, z.B. durch die Sicherheitskonferenz, die Aktionsformen zu sehr vorgeben anstatt durch eine
kontinuierliche Interessenvertretung und durch Kampagnen Einfluß auf die Politik zu nehmen?

Ich will versuchen am Samstag mitzudiskutieren, aber ich fange hier schon mal an; die Fragestellung regt mich zu Rückblicken an, ich kanns nicht kürzer (den Text werde ich wenn's klappt weiterentwickeln - hier oder an weiterer Stelle). Die Überschrift "Friedensbewegung wohin" ist ja such nicht gerade neu ;-) Der gemeinsame Nenner der beiden zitierten Fragen hat nach meinem Eindruck einen ganz anderen Hintergrund: ... Da die etablierte Politik sich längst auf einen Militarisierungskurs festgelegt hat, gibt es von Friedensgruppen keine (zumindest keine glaubwürdigen) Anknüpfungspunkte mehr an selbige. Einige halten dies nicht aus und appellieren das zu ändern - als ob sich die Zustände irgendjemand so ausgesucht hätte.

Zunächst ist wichtig: Was ist "die Friedensbewegung"? Antwort: Eine Ansammlug von seeehr unterschiedlichen Gruppen bis hin zu Einzelpersonen - es ist "eigentlich" in der Szene anerkannt, daß es praktisch niemand gibt der für "die Friedensbewegung" spricht, Achtung, das ist kein Fehler: Es gibt genügend kompetente Stimmen "aus der Friedensbewegung" - und die werden in der eben als heterogen geschilderten Friedensbewegung dann ernst genommen, wenn Argumente und Inhalte stimmen. Die bundesdeutsche Friedensszene hat keine "Anleitung" benötigt, um sich mit aller Kraft gegen den Irakkrieg zu wenden, und wegen Kosovo und Afghanistan läuft auch sehr viel. Besonders bemerkenswert funktionierte das beim Thema EU-Verfassung: Die dezentral organisierten Ostermärsche haben zwei Jahre lang überregional und ziemlich konsistent die Kritik der EU-Verfassung betrieben. Ich ziehe daraus weiterhin den Schluß: Die Inhalte zählen.

Die zweite Frage ist natürlich mustergültig tendenziös gestellt: Indem es Aktionen wg. Sicherheitskonferenz gibt, (die überdurchschnittlich öffentlichkeitswirkam sind), werden die gegen "die kontinuierliche Interessenvertretung" gestellt. (Natürlich kann jemand so fragen, der selber nicht beteiligt ist - weder an kontinuierlicher, noch an kurzfristiger Arbeit, aber so muß das dann auch verstanden werden.)

Das ist ja das bemerkenswerte - und ich habe lange gebraucht das zu verstehen: De Aktionen wg. NATO-Sicherheitskonferenz entwickelten einen für mich unerwarteten Drive, und es lohnt sich dies zu analysieren. Es gab Mobilisierungserfolge wie schon lange nicht mehr (ich erinnere mich daran, wie kaum ein Hahn nach der Konferenz guckte).
Ich bin überzeugt, daß die Mobilisierungserfolge damit zusammenhingen, daß hier eine wirkliche Distanzierung zur etablierten Politk glaubhaft versprochen wurde - "es ging um etwas" - jedenfalls um mehr als bei der "Standard-Friedensdemo" (ich weiß wovon ich rede).

In dem Maße wo die Mobilisierung Wirkung zeigte, wurde versucht das aufzufangen. Das auffälligste Beispiel: Wie 2003 eine Extra-Demo gegen den Irakkrieg aber "ausdrücklich nicht gegen die Sicherheitskonferenz" von SPD und Anhang auf den Weg gebracht wurde - ein wohlfeiler Spaltungsversuch. Die "besseren" Gewerkschaften unterstützten halt beide Demos, und das Publikum überlappte dann auch, gut so. Es war für mich nicht selbstverständlich daß sich die eigentliche Friedensszene nicht auf diesen Spaltungsverscuh einließ!

Weitere Veranstaltungen gruppierten sich um das Wochenende, so daß ganza andere "Formen" auf einmal davon profitierten, z. B. die Friedenskonferenz.

Noch was wg. "Normalbürger" (wer ist das? gibts da eine DIN?
Friedeninititativen weichen vom veröffentlichtenn Medienmainstream deutlich ab. Diese Diskrepanz kann nur mit "Wissen" überbrückt werden. Das begrenzt den "Zugang zum Normalbürger". Es bleibt also eine Frage der Inhalte

(ich hoffe auf Fortsetzung - Kommentare willkommen!)

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